Cradle to Cradle – Zertifizierung einzelner Produkte, aber auch ganze Produktionskreisläufe

Ein neuer Begriff hat sich in der Diskussion um Nachhaltigkeit etabliert – die Rede ist von „Cradle to Cradle“.

cradle to cradleIst es für auf Nachhaltigkeit achtende Menschen bereits ein Alltagswort, kennt die breite Masse das neue Phänomen nur sehr vereinzelt. Was steckt hinter der Bezeichnung und ist jede Zertifizierung gleich? Cradle to Cradle bedeutet wörtlich übersetzt „von der Wiege zur Wiege“ und meint, dass die Industrie ihre Abfälle nach dem Vorbild des Nährstoffzyklus der Natur wiederverwerten soll und in die Produktion neuer Waren einbindet. Statt der herkömmlichen Vorgehensweise – Rohmaterialien werden zu Produkten, die dann irgendwann auf Deponien landen – schließt sich der Kreis und den alten, gebrauchten Waren steht anstelle von Verrottung eine Wiederverwendung bevor. Das ganze beruht auf dem Nachhaltigkeits Prinzip.Es wird versucht die natürlichen Rohstoffe nicht zu erschöpfen, sondern mit Bedacht zu gewinnen. Um dem Konsumenten dieses umweltfreundliche Verfahren nahezubringen hat die EPEA vier Stufen der Cradle to Cradle Zertifizierung eingeführt. Es gibt Basic, Silver, Gold und Platin. Um eins der Siegel zu erhalten, wird geprüft ob das Unternehmen umweltsichere und kreislauffähige Materialen verwendet.

Weiteres Augenmerkt wird auf die Verwendung von erneuebaren Energien, dem verantwortungsvollem Umgang mit Wasser, sowie dem sozialen Aspekt gelegt. Je mehr dieser Kriterien erfüllt sind desto höher fällt die anschließende Zertifizierung aus. Diese ist dann für ein Jahr gültig. Nach Ablauf dieser Zeitspanne kann ein Unternehmen durch Verbesserungen der Produktion bei der Rezertifizierung im Rang aufsteigen. Aber ist dieses Konzept das non plus ultra?

Kritiker bemängeln, dass die Nutzungsphase nicht in Betracht gezogen wird. Viele Produkte erzeugen während ihrer Nutzung ihren ökologischen Fußabdruck. Dieser bleibt, ungeachtet dessen ob es mit Cradle to Cradle hergestellt wurde, oft neagtiv im Gedächtnis der Umwelt. So mag der neue Ansatz bei Produkten die eine saubere Nutzungsphase haben, der richtige Weg sein, für alle anderen jedoch „nur“ ein erster Schritt, welcher aber in die richtige Richtung geht.

Hier ein paar Beispiele Cradle to Cradle zertifizierter Unternehmen:

Gold: Die Frosch Gruppe, mit einem wohldurchdachten Konzept hat sich die Froschgruppe die Goldzertifizierung in unseren Augen sehr verdient. Wir das dieses Konzept in einem separaten Blogbeitrag näher vorstellen.

Silber: Die Firma Ecover wurde mit einigen seiner ökologischen Reinigungsprodukte im Jahr 2013 mit Silber zertifiziert. Wir haben schonmal berichtet und kann dazu mehr lesen

Trigema hat zusammen mit Epea einen neuen Qualitätsstandard definiert und eine Produktinnovation geschaffen, die durch den gebotenen hohen Qualitätsstandard überzeugt. Die entwickelten Textilien, die sich aus einer Vielzahl von Materialbestandteilen (Garne, Etiketten, Fäden bis hin zu Farbstoffen) zusammensetzen, wurden alle für eine Zirkulation in biologischen Kreisläufen konzipiert. (quelle: http://epea-hamburg.org/de/case-studies/trigema)

Und hier noch ein wirklich toller inovativer Ansatz, der aber leider nicht zu Ende gedacht wurde:
Das Steinpapier kann sehr einfach wiederverwertet werden. In freier Natur zerfällt das Papier nach ca. 6-9 Monaten und beim Verbrennen entstehen keine schädlichen Gase. Zurück bleibt einzig das Steinpulver welches für die erneute Produktion von Steinpapier oder anderen Kunststoffprodukten genutzt werden kann.“ (Quelle: Rockpaper – http://www.rockpaper.de/produktion.php )
Steinpapier,
als ökopapier gehandelt, aber leider von recycling her KEIN PAPIER, gehört es in die gelbe Tonne. Wie geht man nun damit um? Ich habe Flyer auf Steinpapier  gedruckt, soll ich einen Vermerk drauf machen, bitte in der gelben Tonne entsorgen? Wer wird das dann auch tun?? Schmeiß ichs einfach ins Grüne, wäre das wahrscheinlich beste Weg, aber ich könnte mir vorstellen, dass wird dann demnächst statt grüner Wiese in Bergen von Flyern im Park spazieren gehen 🙁
Auf unser nachfragen bei EPEA, dem Zertifizierer gab es leider auch gar keine Reaktion 🙁

Also auch hier ist wieder der gesunde Menschenverstand eines jeden Selbst gefragt, Hinterfragen und nicht alles glauben, was uns die Werbung glauben machen will 😉

 

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