Von der Sorge um das gemeinsame Haus …zur „ Enzyklika Laudato Si “

Enzyklika Laudato Si

Da muss erst ein Papst Franziskus kommen und Klartext reden. In seiner „Enzyklika Laudato Si“ spricht er über „die Sorge für das gemeinsame Haus“. Und dies in sehr ausdrucks- und eindrucksvollen Worten. Er spannt einen weiten Bogen von den aktuellen Problemen, über deren Entstehung bis hin zu Leitlinien für Dialog und Aktion. Dabei blickt er nicht mit Scheuklappen auf das Thema, sondern behandelt auch Querverbindungen, die uns sich gegenseitig verstärken und bedingen. Verbindungen, die mit dem Niedergang auf menschlicher und sozialer Ebene unweigerlich bestehen. Der Klimawandel wird gleichzeitig dazu führen, dass Menschen verhungern, verdursten oder ihr Land überflutet wird. Umweltzerstörung bringt auch Gesundheitsschäden beim Menschen hervor. Zugleich bedingen soziale Ungleichheit und Armut auch eine steigende Zerstörung der Natur. Alles hängt zusammen.Und Franziskus macht klar: Jeder Christ, dem sein Glaube wichtig ist, muss sich einfach mit dem „gemeinsamen Haus“, also der Mutter Erde und deren Erhalt beschäftigen. Er versündigt sich ansonsten an der Schöpfung Gottes.

Der hl. Franziskus von Assisi…erinnerte uns daran, dass unser gemeinsames Haus wie eine Schwester ist, mit der wir das Leben teilen, und wie eine schöne Mutter, die uns in ihre Arme schließt… Diese Schwester schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr aufgrund des unverantwortlichen Gebrauchs und des Missbrauchs der Güter zufügen… Darum befindet sich unter den am meisten verwahrlosten und misshandelten Armen diese unsere unterdrückte und verwüstete Erde, die seufzt und in Geburtswehen liegt. Wir vergessen, dass wir selber Erde sind (vgl. Gen 2,7) Unser eigener Körper ist aus den Elementen des Planeten gebildet; seine Luft ist es, die uns Atem gibt, und sein Wasser belebt und erquickt uns.“

Die viel zitierte Stelle in der Bibel (Gen 1,28), der Mensch solle sich die Erde „unterwerfen“ zerreißt der Papst, indem er verdeutlicht, dass dies nicht die Interpretation der Kirche darstellt. Er setzt diese Stelle in einen anderen Kontext. In der Bibel im Buch Genesis ist ebenso die Rede davon, den Garten der Welt zu bebauen und zu hüten. Während bebauen als bewirtschaften interpretiert werden kann, ist mit behüten besonders „schützen“ und „erhalten“ gemeint. „Dem Herr gehört die Erde“, zitiert er. „Das Land darf nicht endgültig verkauft werden; denn das Land gehört mir, und ihr seid nur Fremde und Halbbürger bei mir.“ (Lev 25,23)

Mit dem Zitat „Du sollst nicht untätig zusehen, wie ein Esel oder ein Ochse deines Bruders auf dem Weg zusammenbricht. Du sollst dann nicht so tun, als gingen sie dich nichts an… (Dtn 22,4.6)“ macht Papst Franziskus klar, dass wir sehr wohl Verantwortung tragen. Und dass das Zitat der unterworfenen Erde einzig eine Art von Ausflucht darstellt, eine Sünde gegen die Schöpfung zu rechtfertigen und nicht handeln zu müssen.

Schon früh, so stellt Papst Franziskus klar, hat die Katholische Kirche u.a. mit dem Heiligen Franziskus von Assisi eine klare Sprache gesprochen. Die Geschichte des Heiligen Franziskus macht klar, wie sehr „die Sorge um die Natur, die Gerechtigkeit gegenüber den Armen, das Engagement für die Gesellschaft und der innere Friede untrennbar miteinander verbunden sind.“ Franziskus von Assisi sah sich mit der Natur und den Tieren eng verbunden und er forderte bereits zur damaligen Zeit „im Konvent immer einen Teil des Gartens unbebaut zu lassen, damit dort die wilden Kräuter wüchsen und die, welche sie bewunderten, ihren Blick zu Gott, dem Schöpfer solcher Schönheit erheben könnten.“

Von der „geistigen Umweltverschmutzung“

Nun kann man zur Kirche stehen, wie man will:
Kindesmissbrauch, größenwahnsinnige Bischöfe mit Verschwendungssucht, weltfremde Überzeugungen, ein verstaubtes Weltbild… Viele kehren der Kirche auch den Rücken, weil sie dadurch die Kirchensteuer sparen möchten. Und sie so am Ende des Monats noch mehr im Geldbeutel haben, um dem Konsumwahn frönen zu können.

Egal, wie man zur Kirche steht: Weise bleiben die Worte des Papstes allemal. Der Papst ist eine moralische Instanz, die heutzutage an vielerlei Stellen fehlt. Medien können uns diese ebenso wenig bieten, wie Bundeskanzler oder Bundespräsidenten. Alle hängen sie ab von den Zwängen des Marktes, der Wirtschaft, der Finanzsysteme. Auch die Kirche ist davon abhängig. Das ist unbestreitbar. Doch nicht die Worte des Papstes. Hören wir uns an, was er zu sagen hat, wird schnell klar: Er spricht Klartext!

So berichtet Franziskus von den „Dynamiken der Medien und der digitalen Welt, die nicht die Entwicklung einer Fähigkeit zu weisem Leben, tiefgründigem Denken und großherziger Liebe begünstigen. Die großen Weisen der Vergangenheit würden in diesem Kontext Gefahr laufen, dass ihre Weisheit inmitten des zerstreuenden Lärms der Informationen erlischt. […] Die wirkliche Weisheit, die aus der Reflexion, dem Dialog und der großherzigen Begegnung zwischen Personen hervorgeht, erlangt man nicht mit einer bloßen Anhäufung von Daten, die […] in einer Art geistigen Umweltverschmutzung endet.

Er warnt davor, dass die neuen Formen der Macht, die sich von dem techno-ökonomischen Paradigma herleiten, nicht nur die Politik, sondern die Freiheit und Gerechtigkeit zerstören.

Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint.

Franziskus stellt die Verschlechterung der Umweltbedingungen mit der Verschlechterung im menschlichen und ethischen Bereich in einen engen Kontext. „Viele werden sagen, dass sie sich nicht bewusst sind, unmoralisch zu handeln, denn die ständige Ablenkung nimmt uns den Mut, der Wirklichkeit einer begrenzten und vergänglichen Welt ins Auge zu sehen.“ Er spricht vom vergötterten Markt, der zur absoluten Regel zu werden droht.

Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen.“

Er warnt davor, dass aus schwindenden Ressourcen neue Kriege entstehen werden und fordert eine größere Aufmerksamkeit, um neuen Konflikten zuvorzukommen und zu deren Lösung beizutragen. Doch die mit dem Finanzwesen verbundene Macht sei das, was sich am meisten gegen solche Bemühungen sträubt. Außerdem seien die politischen Pläne nicht weitblickend.

Franziskus stellt schließlich die Frage in den Raum, warum man eine Macht bewahren möchte, „die in die Erinnerung eingehen wird wegen ihrer Unfähigkeit einzugreifen, als es dringend und notwendig war.“

„Wenn wir die verschiedenen Gegenden des Planeten betrachten, erkennen wir bedauerlicherweise sofort, dass die Menschheit die Erwartungen Gottes enttäuscht hat.“ Franziskus fordert schließlich, dass wir uns bewusst machen müssen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Und dass nicht das viel kritisierte Bevölkerungswachstum Not schaffe, sondern die ungerechte Verteilung der Güter. Dies sei die „ökologische Schuld“, die der Norden gegenüber den Staaten im Süden habe. Die Kritik am Bevölkerungswachstum macht er als Ablenkungsmanöver der westlichen Welt von der eigenen Gier aus, weit über die Verhältnisse hinaus zu leben… Und er fordert, einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ keinen Raum zu geben.

Mehr dazu auch unter www.vatican.va

Bildquelle: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de

 

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