Minimalismus – einfach mal weniger wagen

Die Amerikaner sind in manchen Dingen großartig: Redet man hierzulande davon, ein minimalistisch inspiriertes Leben zu führen, dann schwingen gleich Attribute wie Spaßbremse und alternative Spinner mit.

In den USA kann man ein vom Minimalismus geprägtes Leben führen, darüber schreiben und bloggen und sich als erfolgreicher Redner auf namhaften Business-Kongressen etablieren und damit einen ikonenhaften Status mit eigenen Youtube-Channel und Kinodokumentationen aufbauen. Ein besonderes Beispiel sind hier zum Beispiel die Jungs von „The Minimalists“.

Was bei den beiden auffällt: Sie beschreiben ihr „altes Leben“, das sie geführt haben, bis sie ungefähr 30 Jahre alt waren.

Kurz zusammengefasst: Unter allgemeiner Definition galten sie als erfolgreich: Toller Job, toller Kontostand, tolles Auto, große City-Wohnung. Das Problem: Glücklich und frei fühlten sie sich dabei nicht. Und nun taten sie etwas anderes als die meisten von uns in dieser Situation tun würden: Sie kauften nicht noch tollere Autos und Immobilien, sie unternahmen keine spektakulären Reisen, sie reduzierten einfach alles und kamen nun Schicht für Schicht zu sich selbst: Weniger angestelltes arbeiten, weniger Geld, weniger Ausgaben, weniger Luxus, weniger Konsum – so würde man es hierzulande zusammen fassen. In den USA wird zusammen gefasst: Mehr Freiheit, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge, mehr Gesundheit, mehr Bewusstsein, mehr Strahlen in den eigenen Augen.

Und ist es nicht das, was wir alle uns ein wenig wünschen? Und der Schritt dahin ist gar nicht so schwierig. Man kann mit wenigen Schritten beginnen, die mit ein wenig Planung perfekt in den Alltag zu integrieren sind:

Kaufe nur noch, was du brauchst

Neue Kleidung wird gekauft, wenn ein altes Teil nicht mehr genutzt werden kann. Vorher nicht – damit sparst du dir auch den Raum und das Geld für einen weiteren Schrank, eine größere Wohnung und für Regale auf dem Dachboden.

Konsumiere nichts Fertiges mehr

Damit meinen wir vor allem all die Dinge, die man „ToGo“ kaufen kann: Kaffee trinkt man zu Hause und im Büro, ggf. noch unterwegs den von Daheim mitgenommenen Kaffee, Wasser kann man als Leitungswasser in der der Trinkflasche mitnehmen; Snacks, Brote und Obst kann man ebenfalls von zu Hause aus mitnehmen anstatt sie teuer beim Bäcker im Bahnhof oder im Imbiss zu kaufen. Damit entlastet man zuallererst das eigene Budget, kann aber auch viel besser den eigenen Bedarf beim Konsum berücksichtigen.

Entrümpele

Eine tolle Übung: Trenne dich ein Jahr lang täglich von einem Gegenstand – damit bleibt der Gedanke des Minimalismus im Bewusstsein und hilft dabei, weniger Neues anzuschaffen. Und man wird spüren, dass einem kaum etwas fehlt.

Wer es radikaler mag, kann die 30-Tage-Übung der oben genannten Minimalisten durchführen:

Diese Übung dauert 30 Tage lang. An Tag 1 trennt man sich von einem Gegenstand, am zweiten von zwei Gegenständen und so weiter bis man sich am dritten Tag von 30 Gegenständen trennt und in Summe damit mehr als 200 Gegenstände aus seinem Leben, seiner Wohnung verbannt hat. Fühlt sich hart an, kann aber befreiend wirken.

Muss es wirklich neu sein?

Schuhe können neu besohlt werden, ein defektes Elektrogerät lässt sich vielleicht noch reparieren und viele Alltagsgegenstände bleiben gut in Schuss, wenn man sie zwischendurch einfach gut pflegt. Auch damit kann man sich davon befreien, ständig Neues kaufen zu müssen.

Eines bedingt diese Sichtweise aber auch: Die Freiheit, Zeit für die Dinge zu gewinnen, die wirklich wichtig sind, bedeutet auch, dass man herausfinden muss, was einem wirklich wichtig ist. Und das ist für viele eine spannende Reise. Dass diese Reise durch Konsum aber kaum zu ersetzen ist, ist eine erste Erkenntnis, die uns Minimalisten lehren.

4 Gedanken zu „Minimalismus – einfach mal weniger wagen

  1. Was ich gerne machen wenn Möbel von mir kaputt gehen (bisher eine Wandlampe, ein Couchtisch, ein Schreibtisch und mein Kleidersystem), dann baue ich Sie entweder selber auf oder komplett etwas neues als Alternative.
    Etwas selbstgebautes behandelt man pflegsamer und tauscht es nur ungerne gegen etwas aus dem Geschäft aus. Soviel zum Minimalismus 🙂
    Die 30-Tage-Übung finde ich übrigens wirklich interessant. Vielleicht mach ich das sogar mal. Alternativ könnte man auch einfach mal 10 größere Dinge nehmen und -sofern sie nicht Saisonbedingt sind- entscheiden sich von Ihnen zu trennen wenn man sie 30 Tage lang gar nicht gebraucht hat, dann können sie schließlich nicht überlebenswichtig sein 😉
    Man muss auch nicht immer alles gleich wegschmeißen, gewisse Dinge lassen sich auch vernünftig verpackt gut verschenken oder verkaufen.

    Viele Grüße
    Stefan

  2. Guter Beitrag!
    Ich habe vor circa zwei Jahren begonnen minimalistisch zu leben und habe es bis dato nicht eine Sekunde bereut. Besonders erinnere ich mich noch, wie ich begonnen habe meinen Besitz zu minimieren und dabei feststellen musste, dass die Dinge, die mir wirklich etwas bedeuten, theoretisch auf einem Quadratmeter, circa 100 Megabyte, sowie einigen Gehirnwindungen Platz finden würden.
    Denn letztlich sind die wichtigsten Dinge im Leben keine „Dinge“…. Objekte sind austauschbar und ersetzbar, geliebte Menschen und Erinnerungen hingegen nicht.

  3. Ich arbeite bei einem Entrümpelungsdienst und wenn ich bei Renovierungen Wohnungen reinige kann ich es ab und zu kaum glauben wieviel Krempel viele Menschen heutzutage haben.

    Leider hilft es auch nicht dass wir alles zum wegwerfen “Made in China” bekommen…

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